Weihnachtsbr√§uche unter der Lupe: H√§tten Sie’s gewusst? Teil 3

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 16. Dezember 2011

Teil 3: Lebkuchen

Lebkuchenherzen
© Chocolate-Dessert-Recipes.com

Die Wurzeln der uns heute bekannten Lebkuchen reichen weit zur√ľck in die Vergangenheit. Bereits die alten √Ągypter gaben ihren Verstorbenen gew√ľrzte Honigkuchen mit auf die letzte Reise. Und die R√∂mer strichen Honig auf einen Kuchen, der anschlie√üend gebacken und z. B. zu starkem Bier in der Fastenzeit gegessen wurde.

Lebkuchen in ihrer heutigen Form wurden wohl erstmals in Dinant, Belgien, gebacken und gelangten √ľber Aachen in fr√§nkische Kl√∂ster. Hier diente das Geb√§ck zun√§chst als Nachtisch. Aufgrund ihrer langen Haltbarkeit wurden Lebkuchen damals auch als Notvorrat gelagert und in schweren Zeiten von den M√∂nchen verteilt. Aus den Klosterb√§ckereien stammt auch eine Variante des Lebkuchens: der Oblatenlebkuchen. Die Oblaten – urspr√ľnglich Hostien aus eigener Herstellung – wurden verwendet, um das Anbacken des Teiges zu verhindern.

Seit wann Lebkuchen vorwiegend in der Weihnachtszeit gegessen werden, ist nicht ganz klar. Forscher vermuten einen Zusammenhang zu dem im 19. Jahrhundert vermehrt vom B√ľrgertum gefeierten Weihnachtsfest. Damals waren Gew√ľrze und daraus zubereitete Speisen etwas Besonderes, das man sich nur an hohen Festtagen leisten konnte. Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass vor allem St√§dte an fr√ľheren Handelsknotenpunkten wie Aachen, N√ľrnberg, Augsburg oder Basel auf eine lange Tradition des Lebkuchenbackens zur√ľckblicken k√∂nnen. In diesen St√§dten waren Gew√ľrze aus fernen L√§ndern, die f√ľr die Lebkuchenherstellung ben√∂tigt wurden, leichter verf√ľgbar.

Printen
© fw42

Auch die Herkunft des Namens „Lebkuchen“ ist nicht eindeutig gekl√§rt. Manche denken, der Name leite sich von „Leben“ ab, andere sehen eine Verbindung zu dem lateinischen Wort „libum“ (Fladen, Opferkuchen). Oder ist der Name auf das Wort „Laib“ zur√ľckzuf√ľhren? Einfacher l√§sst sich die Herkunft des Namens „Pfefferkuchen“ erkl√§ren, der insbesondere in Ostdeutschland alternativ f√ľr Lebkuchen verwendet wird. Im Mittelalter wurden alle exotischen Gew√ľrze, die charakteristische Zutaten von Lebkuchen sind, als „Pfeffer“ bezeichnet.

Und Gew√ľrze finden sich im Lebkuchen schlie√ülich reichlich. Neben Zimt, Nelken, Anis und Muskat werden evtl. auch Kardamom, Koriander und Ingwer eingesetzt. Heute wird anstelle der einzelnen Gew√ľrze h√§ufig fertiges Lebkuchengew√ľrz verwendet. Ges√ľ√üt werden Lebkuchen √ľblicherweise mit Honig oder auch Zuckerr√ľbensirup. Mandeln, N√ľsse, ggf. Zitronat und Orangeat stehen ebenfalls auf der Zutatenliste. Interessanterweise wird f√ľr die Herstellung von Lebkuchen kaum Mehl verarbeitet. So liegt der Mehlanteil vieler Lebkuchenrezepte bei zehn bis maximal 50 Prozent. Bei N√ľrnberger Lebkuchen gilt es sogar als Qualit√§tskriterium, wenn √ľberhaupt kein Mehl enthalten ist, sondern nur √Ėlsamen mitgebacken werden. √úbliches Triebmittel f√ľr Lebkuchen ist Hirschhornsalz oder auch Pottasche. Aufgrund der Acrylamidgefahr sollte Hirschhornsalz jedoch besser durch eine Mischung aus Natron und Backpulver zu gleichen Teilen ersetzt werden.

Lebkuchenmann
© pareeerica

"Gingerbread Man"

Bei Lebkuchen gibt es unz√§hlige Sorten und regionale Varianten. Bekannt sind beispielsweise Elisenlebkuchen mit einem hohen Mandel- oder/und Nussgehalt oder Aachener Printen, eine etwas herbere, mit Sirup ges√ľ√üte Lebkuchenvariante mit geheimer W√ľrzmischung. F√ľr Abwechslung sorgen Lebkuchen mit Schokoladen- oder Zucker√ľberzug, mit Marmeladenf√ľllung oder Mandelgarnitur. Eine weitere Variante sind in Form geschnittene oder gepresste Lebkuchen. Diese sogenannten „Bildlebkuchen“ gibt es schon seit dem 15. Jahrhundert. Urspr√ľnglich standen dabei haupts√§chlich religi√∂se Motive im Vordergrund. Heute d√ľrften die Jahrmarktherzen, die das ganze Jahr √ľber erh√§ltlich sind, das bekannteste Motiv sein.

So kommt es, dass Lebkuchen heute f√ľr viele von uns untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden sind ‚Äď √ľbrigens nicht nur hier in Deutschland und bei unseren deutschsprachigen Nachbarn, sondern auch in England, Frankreich, Griechenland, Finnland, Russland und vielen weiteren L√§ndern.

Rezept f√ľr Honigkuchenpl√§tzchen

Quellen einblenden

Zum Weiterlesen

Merian (2010): Ihr Mix bleibt ein Betriebsgeheimnis (√ľber Aachener Printen)

verfasst von am 16. Dezember 2011 um 07:48

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