Weihnachtsessen mal „gans“ √∂kologisch

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 22. Dezember 2011

F√ľr die meisten von uns ist das Weihnachtsfest eine Gelegenheit, in der man sich Zeit f√ľr sich und seine Angeh√∂rigen nimmt, gemeinsam feiert und genie√üt. Alltagsereignisse, Politik und Umwelt besch√§ftigen uns das ganze Jahr √ľber; Weihnachten wollen wir unbeschwert feiern und genie√üen. Gleichzeitig bietet das Christfest einen m√∂glichen Anlass, sich Gedanken √ľber die Sch√∂pfung zu machen und unseren Auftrag, diese f√ľr die n√§chsten Generationen zu bewahren. Auch die Ern√§hrungsweise kann dazu einen Beitrag leisten, steht sie doch in direkter Beziehung zur √Ėkobilanz und damit zum Umweltschutz.

Christbaum
© HikingArtist.com

F√ľr die Erzeugung unserer Speisen werden gro√üe Mengen nat√ľrlicher Ressourcen (z. B. Energie, Wasser, Futtermittel) ben√∂tigt. Dabei gilt: Je h√∂her ein Lebensmittel in der Wertsch√∂pfungskette steht und je mehr Vorleistungen zu seiner Herstellung erforderlich sind, desto schlechter schneidet es im Vergleich ab. So befindet sich Fleisch in der Wertsch√∂pfungskette weit oben, f√ľr seine Erzeugung werden Futtermittel ben√∂tigt, die ebenfalls hergestellt bzw. angebaut werden m√ľssen. Dar√ľber hinaus verschlechtert das von Rindern √ľber die Atmung abgegebene Methan die √Ėkobilanz von Rindfleisch und daraus hergestellten Produkten. Generell kann man davon ausgehen, dass pflanzliche Lebensmittel wie Getreideprodukte, Obst und Gem√ľse klimaschonender zu erzeugen sind als tierische.

Hinsichtlich der Produktionsverfahren erweisen sich Bio-Produkte bei Berechnungen als klimaschonender gegen√ľber konventionell erzeugten Lebensmitteln, da beim Anbau von Futtermitteln, Getreide, Obst und Gem√ľse weniger Minerald√ľnger und andere Vorleistungen ben√∂tigt werden. F√ľr Fleisch bedeutet dies, dass bei einer Entscheidung f√ľr Bio-Schweinefleisch immerhin 5 Prozent, bei Bio-Rindfleisch sogar 15 Prozent an Treibhausgasen gegen√ľber konventionell erzeugtem Fleisch eingespart werden (vgl. Tabelle).

Lebensmittel CO2-√Ąquivalente [g/kg Lebensmittel]
konventionell/(ökologisch)
Fleisch
Schweinefleisch
Gefl√ľgelfleisch
Rindfleisch

3.252/(3.039)
3.508/(3.039)
13.311/(11.374)
Milchprodukte
Butter
Milch
Käse
Joghurt

23.794/(22.089)
940/(883)
8.512/(7.951)
1.231/(1.159)
pflanzliche Lebensmittel
frisches Gem√ľse
Gem√ľse-Konserven
tiefgek√ľhltes Gem√ľse
Kartoffeln
Tomaten


153/(130)
511/(479)
415/(378)
199/(138)
339/(228)

* Um einen einheitlichen Vergleich darstellen zu k√∂nnen, wurden alle Treibhausgase, die bei der Herstellung entstehen, in sog. CO2-√Ąquivalente umgerechnet.

Ein noch besseres Ergebnis als biologisch erzeugtes Schweine- und Rindfleisch erzielt das Fleisch von Schafen, die zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Sie fressen im wesentlichen Gras, w√§hrend im Stall gehaltene K√ľhe und Schweine energiereiches Kraftfutter erhalten. Empfehlenswert ist auch Wildfleisch aus heimischen W√§ldern. Hier f√§llt keinerlei Aufwand f√ľr Futter und Haltung oder die Bewirtschaftung von Weidefl√§chen an. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass das Wild nicht aus Gehegen stammt.

In die √Ėkobilanz flie√üen allerdings nicht nur Rohstoffeinsatz und Emissionen bei der Lebensmittelerzeugung, Verarbeitung und dem Transport bis zur Verkaufsst√§tte mit ein. Auch der Weg, der bis zum verbrauchenden Haushalt zur√ľckgelegt wird, sollte ber√ľcksichtigt werden. Wer zum Beispiel wegen einer geringen Menge eines speziellen Lebensmittels viele Extrakilometer Anfahrt mit dem Auto auf sich nimmt, tut der Natur damit unter dem Strich nichts Gutes. Hier w√§re es besser, Lebensmittel aus der eigenen Region zu kaufen. Au√üerdem sollte darauf geachtet werden, dass das gekaufte Obst und Gem√ľse zurzeit auch Saison hat und nicht etwa in energieintensiven Gew√§chsh√§usern angebaut werden muss.

Vor diesem Hintergrund: Wie w√§re es mit einem Kompromiss f√ľr das Weihnachtsessen? Fleisch ist bei vielen Festtagsgerichten sicher nicht wegzudenken. Doch vielleicht gen√ľgt auch eine kleinere Portion? Dann kann auch auf das teurere Biofleisch zur√ľckgegriffen werden.

Auch ein Weihnachtsfest ganz ohne Fleisch w√§re f√ľr manchen vielleicht eine Alternative. Dazu lohnt sich ein Blick auf die Internetseite des Vegetarierbundes Vebu, der festliche vegetarische Weihnachtsessen vorstellt. Hier finden Sie zahlreiche rein pflanzliche Rezeptideen (- und zus√§tzlich Argumente zur √úberzeugung Ihrer Lieben).

Eine Schwalbe allein macht noch keinen Fr√ľhling. Genauso wenig gen√ľgt ein einziges √∂kologisch gestaltetes Weihnachtsessen zur nachhaltigen Verbesserung unserer √Ėkobilanz. Doch aller Anfang ist schwer, und wer verstanden hat, dass auch kleine Ver√§nderungen in ihrer Summe einen Erfolg darstellen, wird vielleicht zum Wiederholungst√§ter ‚Äď der Umwelt zuliebe.

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verfasst von am 22. Dezember 2011 um 10:51

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