Magen-Darm-Erkrankungen - Pankreatitis

Definition

Bei der Pankreatitis handelt es sich um entzündliche Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Man unterscheidet zwei Formen:

  • akute Pankreatitis
  • chronische / chronisch rezidivierende Pankreatitis

Akute Pankreatitis

Die akute Pankreatitis wird durch eine plötzlich einsetzende Selbstverdauung (Autodigestion) der Bauchspeicheldrüse ausgelöst, die auf eine Aktivierung von inaktiven Verdauungsenzymen zurückzuführen ist. Es ist eine sehr schmerzhafte und schwere Erkrankung, die stationär behandelt werden muss.

Unterschieden wird zwischen einer ödematösen (Ansammlung von Wasser) und einer hämorrhagisch-nekrotisierenden (Blutungen, lokaler Gewebstod) Verlaufsform. Bei der ödematösen Form treten in der Regel keine Komplikationen auf. Die hämorrhagisch-nekrotisierende Verlaufsform kann hingegen mit einer hohen Sterblichkeit einhergehen.

Auslöser

Hauptursachen für eine akute Pankreatitis sind vor allem Alkoholmissbrauch und Gallenerkrankungen. Bei Kindern kann eine akute Pankreatitis außerdem durch virale Erkrankungen ausgelöst werden.

Symptome

In erster Linie treten plötzlich schwere Oberbauchschmerzen auf. Weitere auftretende Symptome und ihre Stärke sind vom Ausmaß der Bauchspeicheldrüsen-Zerstörung abhängig.

  • Blutdruckabfall
  • Darmlähmung (Ileus)
  • Beeinträchtigung der Nierenfunktion
  • Erhöhung des Blutzuckers (ein Diabetes in Folge einer akuten Pankreatitis ist jedoch selten)
  • erhöhte Serumkonzentrationen der Pankreasenzyme Amylase und Lipase
  • Wasseransammlungen (Ödeme)
  • Austreten von Flüssigkeiten (Exsudationen)
  • Fettgewebsnekrosen

Therapie

Bei einer Pankreatitis sollte zur Behandlung eine Ruhigstellung des Organs erfolgen. Dies wird am besten durch Nahrungskarenz erreicht. Die Wiedereinführung der Nahrung erfolgt durch einen Stufenplan:

  • Stufe 1: Nahrungskarenz; keine orale Nährstoff- und Flüssigkeitszufuhr
  • Stufe 2: Kohlenhydrate; gesüßter Tee, Zwieback, Schleimsuppe
  • Stufe 3: fettarmes Protein; Magermilchprodukte, Weißbrot, Fleisch und Fisch (fettarm)
  • Stufe 4: Ballaststoffe; ballaststoffreiche Lebensmittel, Kartoffeln, Gemüse, größere Portionen
  • Stufe 5: Fettzulage in kleinen Portionen; Käse und Milch (fettarm), Ei, Fleisch und Fisch
  • Stufe 6: leichte Vollkost; Vollkornprodukte, keine Rohkost, keine blähenden Gemüse und Hülsenfrüchte; 6 – 8 kleine Mahlzeiten, die schonend zubereitet sein sollten: Garen und Dünsten, Braten mit wenig Fett

Nach dem Abklingen der Symptome wird in der Regel eine sogenannte leichte Vollkost verordnet. Das bedeutet, dass der Patient alles das essen kann, was er individuell verträgt. Weitere Informationen zu leichten Vollkost sowie eine Liste mit geeigneten und weniger geeigneten Lebensmitteln finden Sie im Kapitel "Morbus Crohn". Diese Auflistung ist jedoch nicht als Verbotsliste zu verstehen, sondern als Grundlage für eigene Erfahrungswerte. Möglichst verzichtet werden sollte lediglich auf Alkohol.

Chronische Pankreatitis

Im Rahmen einer chronischen Pankreatitis kommt es zu einer Zerstörung des Drüsenapparats der Bauchspeicheldrüse. Dies äußert sich sowohl in einer fehlenden Sekretion von Verdauungsenzymen (exokrine Funktion), als auch in der unzureichenden Produktion von Bauchspeicheldrüsenhormonen wie z.B. dem Insulin (endokrine Funktion).

Ursachen

Bei Erwachsenen sind wie auch bei der akuten Pankreatitis Alkoholmissbrauch und Gallenerkrankungen die häufigste Ursache. Zusätzlich kann die chronische Pankreatitis auch durch Mangelernährung (Malnutrition) ausgelöst werden. Bei Kindern ist meist eine Mukoviszidose die Ursache.

Symptome

Die chronische Pankreatitis ist im Anfangsstadium meist symptomlos. Oberbauchschmerzen wie bei der akuten Verlaufsform treten vereinzelt auf. Mit zunehmender Zerstörung des Drüsenapparats kommt es zu einer diabetischen Stoffwechsellage und Verdauungsstörungen, in deren Folge es zu

  • Gewichtsabnahme
  • Fettstuhl (Steatorrhö)
  • Durchfall
  • Meteorismus (verstärkte Blähungen)

kommen kann.

Therapie

Bei einer chronischen Pankreatitis sollte die Nahrung leicht verdaulich, reich an Kohlenhydraten und fettarm sein. Schwer verdauliche Speisen sind zu meiden (siehe leichte Vollkost). Häufig werden mehrere kleine Mahlzeiten besser vertragen als wenige voluminöse.

Wenn trotz Reduktion der Fettzufuhr Fettstühle auftreten, kann der Einsatz von Spezialfetten (Mittelkettige Fettsäuren, MCT) angezeigt sein. Auf eine ausreichende Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen (A, D, E und K) ist zu achten. Weiterhin wird eine lebenslange Alkoholkarenz gefordert.

Die Durchführung des Stufenplans bzw. der Ernährung bei chronischer Pankreatitis sollte stets mit einem Arzt und einer Ernährungsfachkraft abgesprochen werden.

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Literatur