Morbus Crohn / Colitis ulcerosa - Infos zur Therapie

Das Prinzip der leichten Vollkost

Die leichte Vollkost (früher Schonkost oder gastroenterologische Basisdiät genannt) ist eine Kostform, mit der sich kein direkter therapeutischer Effekt erzielen lässt. Sie soll aber zur Entlastung einzelner Verdauungsorgane oder des gesamten Stoffwechselgeschehens beitragen.

Sinn und Zweck dieser Kostform ist somit die Vermeidung unspezifischer Unverträglichkeiten im Bereich des Verdauungstraktes und somit Ausschalten möglicher Beschwerden wie Durchfall, Völlegefühl, Schmerzen, Druck, Übelkeit, die bei Erkrankungen im Verdauungsbereich auftreten können.

Die leichte Vollkost unterscheidet sich von der "normalen" Vollkost durch Weglassen von Lebensmitteln, Getränken und Speisen, die erfahrungsgemäß bei den verschiedenen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oft Unverträglichkeiten auslösen.

Die leichte Vollkost ist eine vollwertige, ausgewogene Ernährungsweise, die den Körper mit allen notwendigen Stoffen in ausreichendem Maße versorgt.

Generell gilt: Alles was vertragen wird, ist erlaubt!

Wann wird eine leichte Vollkost empfohlen?

Bei folgenden Erkrankungen wird eine leichte Vollkost verordnet:

  • unspezifische Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Speisen, Lebensmitteln und Getränken
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) - in Remissionsphasen
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
  • unkomplizierte Leber- und Gallenerkrankungen (Anfangsstadium einer Zirrhose oder Hepatitis)
  • Chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) - solange noch keine Störung der Fettverdauung vorliegt
  • letzte Stufe des Kostaufbaus nach einer Nahrungskarenz
  • Reizdarm

Die leichte Vollkost in der Praxis

Für die leichte Vollkost liegen die allgemeinen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie die Empfehlungen für eine vollwertige Ernährung zugrunde.

Auch die empfohlene Nährstoffrelation (der prozentuale Anteil der Nährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate) ist mit der der vollwertigen Ernährung identisch. Sie beträgt:

50-55%> Kohlenhydrate
30 % Fett und
15-20% Eiweiß

Nähere Informationen zur vollwertigen, gesunden Ernährung finden Sie im Kapitel vollwertige Ernährung!

Lebensmittelauswahl

Die nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen Empfehlungen der Lebensmittelauswahl bei der leichten Vollkost. Sie bietet eine Richtlinie für die Zusammenstellung einer leicht bekömmlichen Kost, ist jedoch nicht immer allgemeingültig.

Bitte beachten Sie, dass Unverträglichkeiten individuell sehr unterschiedlich sind und fragen Sie bei Unklarheiten Ihre(n) Arzt/Ärztin oder Ihre(n) Ernährungsberater(in)!

Geeignete und weniger bzw. ungeeignete Lebensmittel im Rahmen einer leichten Vollkost:

Lebensmittelgruppen Geeignete Lebensmittel Lebensmittel, die im allgemeinen schlecht vertragen werden
Milch und Milchprodukte fettarme Milch (1,5%), fettarme gesäuerte Milchprodukte (Joghurt, Dickmilch, Sauermilch), milde Käsesorten bis 45% Fett i. Tr. (z.B.  Frisch-, Weich-, Schmelz-, Schnittkäse); keine Schimmelkäse! Vollmilch und vollfette, auch gesäuerte, Milchprodukte, Sahne, Rahm, Sauerrahm über 20% Fett, würzige und fetthaltige Käsesorten (über 45%)., Schimmelkäse Bsp.: Gorgonzola, Roquefort, Bergkäse, überreifer Camembert
Fleisch mageres Rind-, Kalb-, Geflügelfleisch  (Filet, Schnitzel), Hammelfilet, mageres Ziegenfleisch, Kaninchen, Wild und Wildgeflügel, Grillhähnchen, Taube; Wichtig: fettarm zubereitet (gekocht, gegrillt, in Folie gegart, im Römertopf, geschmort) fettes, geräuchertes, gepökeltes, scharf angebratenes Fleisch, mit Speck gespickte Fleischteile, fettes Fleisch u.a. Ente, Gans, Geflügelhaut
Fleischwaren milde magere Wurstsorten z.B. Bierschinken, gekochter Schinken ohne Fettrand, deutsches Corned Beef, Geflügelwurst, kalter Braten fette und geräucherte Wurstwaren
Suppen und Soßen fettarme Bouillon, Suppen und Soßen fette Suppen und Soßen
Fisch und Fischwaren magere Süß- und Salzwasserfische, fettarm zubereitet, Schalen- und Krustentiere fette Fischsorten wie Aal, Hering, Lachs, geräucherte Fische, eingelegte und/oder konservierte Fische oder Fischwaren
Eier weichgekochte Eier, fettarme Eierspeisen hartgekochte Eier, fettreiche süße oder pikante Eierspeisen, Mayonnaise
Fette und Öle kleine Mengen natürlicher Pflanzenöle, Butter, ungehärtete reine Pflanzenmargarine größere Mengen Öle, Butter, normale Margarine, Schmalz, Talg
Brot altbackenes Brot, feine Vollkornbrote frisches Brot, frische Backwaren, grobe Vollkornbrote
Backwaren Backwaren aus einfachen Rühr- und Hefeteigen, Kuchen aus Quark-Öl-Teig, Obstkuchen ohne Sahne, Baiser, einfache Kekse frisches Hefegebäck, fette Backwaren wie z.B. Sahne- u. Cremetorten, Blätterteig, Fettgebackenes
Getreideprodukte Reis, Nudeln, Grieß, Mehle, Stärkemehle, Getreideflocken keinerlei Einschränkungen
Kartoffeln fettlos bzw. fettarm zubereitet, Pell-, Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, Klöße alle gebratenen u. in Fett ausgebackenen Kartoffelgerichte, z.B. Pommes frites, Bratkartoffeln, Kroketten, Kartoffelsalat mit Speck,  Mayonnaise o. viel Öl
Gemüse leichtverträgliche Gemüsesorten wie z.B. Karotten, Fenchel, junge Kohlrabi, Blumenkohl, feine grüne Erbsen und Bohnen, Tomaten, Zucchini, grüner Salat schwerverdauliche und blähende Sorten wie z.B. Kohlsorten, Lauch, Zwiebeln, Pilze, Paprika, Oliven, Gurken, Rettich, Hülsenfrüchte, Gemüsesalate, die mit Mayonnaise o. fetten Soßen zubereitet wurden
Obst reife, leichtverträgliche Sorten roh oder gekocht unreifes Obst, rohes Steinobst, Nüsse, Mandeln, Pistazien, Avocados
Zucker nur in kleinen Mengen größere Mengen 
Süßigkeiten Konfitüre, Marmelade, Honig Schokolade, Pralinen, Nougat, Marzipan, Sahnebonbons etc.
Gewürze frische und getrocknete Kräuter, milder Essig (z.B. Balsamico), Zitronensaft, mäßig Salz größere Mengen Pfeffer, Salz, Curry, Paprikapulver, Senf, Meerrettich, Zwiebel- und Knoblauchpulver, scharfe Gewürzmischungen
Getränke alle Teesorten, milder Kaffee, Getreidekaffee, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Gemüsesäfte, verdünnte Obstsäfte Alkohol in jeder Form, kohlensäurehaltige Getränke z.B. Limonade, Cola, eisgekühlte Getränke
Zubereitungsarten Kochen, Dünsten, Dämpfen, Garen in Folie, im Tontopf, in der beschichteten Pfanne oder im beschichteten Topf, im Backofen, in der Mikrowelle, Grillen ohne Fett starkes Anbraten, Rösten, Frittieren, mit Speck und Zwiebeln anbraten

Quelle: mod. nach Kluthe R. "Ernährungsmedizin in der Praxis"

Die leichte Vollkost sollte so zusammengestellt sein, dass sie möglichst keinen Zucker und keine Weißmehlprodukte enthält. Die Kost sollte reich an Ballaststoffen sein, da diese sich günstig auf den Darm und die Verdauung auswirken.

Anfänglich kann es bei einer ballaststoffreichen Ernährung jedoch zu Blähungen und Missempfindungen im Darm- bzw. Bauchbereich kommen, die jedoch in der Regel nach einigen Tagen wieder verschwinden. Deshalb sollte die Menge langsam gesteigert werden.

Nähere Informationen zum Thema Ballaststoffe und ballastsstoffreicher Ernährung finden Sie im Kapitel Verstopfung.

Bitte beachten Sie beim Morbus Crohn:

Bestehen bereits ausgedehnte Stenosierungen (röntgenologisch nachgewiesen), dann sollte die Kost ballaststoffarm sein!

Für die Colitis ulcerosa gilt:

In der akuten Phase empfiehlt sich eine ballaststoffarme Ernährung, während in der symptomfreien bzw. symptomarmen Zeit eine leichte Vollkost mit normalem Ballaststoffgehalt empfohlen wird.

Was ist sonst noch zu beachten?

Neben der Auswahl der Speisen und Getränke sind zusätzlich zur Entlastung des Stoffwechselgeschehens folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Die Nahrungsmenge sollte auf viele kleine Mahlzeiten aufgeteilt werden.
  • Es sollte ausreichend Zeit zum Essen bestehen.
  • Alle Speisen sollten gründlich gekaut werden.
  • Die Speisen sollten weder zu heiß noch zu kalt verzehrt werden.

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Literatur