Der Trick mit dem Dip – so schmeckt Kindern Gemüse

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Montag, 26. März 2012

„Das schmeckt nicht!“ „Das mag‘ ich nicht!“ „Die Soße wäre viel besser ohne das grüne Zeug darin!“ – „Aber Gemüse ist doch gesund, das brauchst Du, um groß und stark zu werden!“ – „Ist mir doch egal!“… Alle jene, die solche Diskussionen schon einmal ausgefochten haben, könnten die Ergebnisse einer amerikanischen Studie interessieren.

Rohkost
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Das Ziel dieser Studie bestand darin, die Attraktivität von bitter schmeckendem Gemüse bei Kindern zu erhöhen. Hierfür suchten sich die Wissenschaftler der Universität von Philadelphia eine besonders kritische Personengruppe aus: Vorschulkinder aus Migrantenfamilien mit überwiegend geringem Einkommen. Vor der eigentlichen Untersuchung mussten die Forscher zunächst die Beliebtheit verschiedener Gemüsesorten ermitteln, denn die Tests sollten mit einer Gemüsesorte durchgeführt werden, die im Mittelfeld der Beliebtheitsskala der Kinder lag. Die Wahl fiel schließlich auf Brokkoli. Mittels eines Geschmackstests wurde außerdem festgestellt, ob die Kinder besonders sensibel auf bittere Geschmacksnoten reagieren.

In der eigentlichen Studie bekamen die Kinder an jeweils zwei Nachmittagen einer Woche über sieben Wochen verteilt rohen Brokkoli in unterschiedlicher Zubereitungsweise: Die eine Gruppe erhielt  Brokkoli pur, drei andere Gruppen normale bzw. energiereduzierte Salatdressings als Dip zum Brokkoli oder Brokkoli gemixt mit Salatdressing als eine Art Soße.

Am Ende der Studie wurden die Kinder erneut gefragt, wie sehr sie Brokkoli mögen. Mit verblüffendem Ergebnis: Sieben von zehn Kindern gaben nun an, Brokkoli gerne zu essen, zuvor waren es lediglich fünf. Gleichzeitig war der Anteil derer, die Brokkoli nicht gerne mochten, von 30 auf 20 Prozent gesunken. Dieser Effekt ist sicher zum Teil auf das wiederholte Angebot des Gemüses und eine Gewöhnung an dessen Geschmack zurückzuführen. Interessant sind aber auch die weiteren Ergebnisse der Wissenschaftler: Sie fanden heraus, dass mehr als 70 Prozent der Kinder besonders empfindlich auf bittere Geschmacksrichtungen reagierte. Und gerade in dieser Gruppe nahm die Beliebtheit von Brokkoli deutlich zu, nachdem das Gemüse gemeinsam mit Salatdressing angeboten worden war. Der Energiegehalt des Salatdressings war dabei nicht von Bedeutung. Man könnte vermuten, dass der Spaßfaktor des Dippens zu diesem positiven Ergebnis geführt hat, allerdings stieg die Beliebtheit des Gemüses in der Gruppe, die den Brokkoli mit Salatdressing püriert erhalten hatte, in ähnlichem Umfang an.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Maskierung des bitteren Geschmacks ausschlaggebend für die gesteigerte Beliebtheit von Brokkoli war. Begünstigend wirken außerdem das wiederholte Angebot sowie die Kombination unbekannter/unbeliebter Speisen mit vertrauten und für gut befundenen Komponenten (Dressing).

Zwar können Eltern nicht ohne weiteres feststellen, ob ihr Kind besonders empfindlich auf bittere Geschmacksrichtungen reagiert, einen Versuch ist die Sache aber auf jeden Fall wert. Als Dip oder zum Untermischen eignet sich z. B. fettarmer Kräuterfrischkäse, der mit etwas Joghurt oder Milch glatt gerührt wird. Und wem roher Brokkoli zu extrem erscheint, der kann sich ja vorsichtig herantasten, z. B. mit Karotten, Paprika oder Sellerie. Auch gekochte Blumenkohl- oder Brokkoliröschen sind eine Alternative. Und, ganz wichtig: mit gutem Beispiel vorangehen! Wenn Papa oder Mama kein Gemüse isst, wie soll man dann den lieben Kleinen erklären, dass man nur damit groß und stark wird?!

Quelle:
Fisher, J. O.; Menella, J. A.; Hughes, S. O., Liu, Y.; Mendoza, P. M.; Patrick, H. (2012): Offering „dip“ promotes intake of a moderately-liked raw vegetable among preschoolers with genetic sensitivity to bitterness. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics 2012; 112: 235-245

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verfasst von am 26. März 2012 um 06:10

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Ein Kommentar zu “Der Trick mit dem Dip – so schmeckt Kindern Gemüse”

  1. Brigitte sagt:

    Das kann ich so nur bestätigen. Sobald Gemüse klein geschnitten ist und/oder lustig angerichtet ist, greifen die Kurzen zu. Komisch. Sogar bei Obst, das ja meist süß ist und dem Geschmack der Kinder damit entsprechen müsste, greifen Sie erst zu, wenn Mama es klein geschnitten hat. Bei gekochtem Gemüse haben wir keine Probleme, bei rohem schon eher. Zum Abendbrot schneide ich es in Sticks und reiche Quarkdip dazu, den ich selbst anrühren. Natürlich mit frischen Kräutern oder guten Gewürzen. Der Dip eigentlich dann genauso als Brotaufstrich für die Erwachsenen. Für mehr Abwechslung greife ich auch zu getrockneten Gewürzen, achte dabei aber schon auf Qualität. Kräuter der Provence gehören zu unseren Favoriten.

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