Viel Jod in Meersalz? Ein Trugschluss

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Montag, 26. November 2012

Meersalz
© Happy Krissy

Algen und Seefisch kommen aus dem Meer und enthalten viel Jod. Viele gehen deshalb davon aus, dass auch Meersalz reich an Jod ist. Tatsächlich enthält Meersalz allerdings kaum mehr Jod als unjodiertes Speisesalz.

Warum enthält natürliches Meersalz vergleichsweise wenig Jod? Grund dafür ist der Herstellungsprozess. Zur Herstellung von Meersalz wird Meerwasser in Verdunstungsbecken der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Wenn alles Wasser verdunstet ist, bleibt kristallines Salz übrig. Mit dem Wasser verdunstet allerdings auch ein Großteil des darin gelösten Jods, sodass nur ein geringer Rest in dem Salz enthalten bleibt. Durch die anschließend erfolgende Reinigung sinkt der Jodgehalt weiter.

Wie viel Jod enthält Salz?

unjodiertes Speisesalz ca. 0,1 mg/kg Salz
Meersalz ca. 0,1-2 mg/kg Salz
jodiertes Speisesalz ca. 15-25 mg/kg Salz

Der Körper benötigt das Spurenelement Jod aus der Nahrung zur Bildung von Schilddrüsenhormonen. Schilddrüsenhormone haben eine wichtige Funktion in der Steuerung von Energiestoffwechsel, Herzrhythmus und Blutdruck. Außerdem beeinflussen sie Wachstum und Gehirnentwicklung von Kindern. Ein Mangel an Jod äußert sich in bleierner Müdigkeit, Antriebsschwäche oder trockener Haut. Bleibt der Mangel über längere Zeit bestehen, wird er auch äußerlich durch die Bildung eines Kropfes sichtbar. Dabei handelt es sich um eine durch Jodmangel hervorgerufene Vergörßerung der Schilddrüse.

Deutschland ist Jodmangelgebiet. Unsere Böden, Äcker und Weideflächen enthalten nur geringe Mengen Jod. Auch im Trinkwasser ist kaum Jod enthalten. Dies hat zur Folge, dass hierzulande angebautes Getreide, Obst und Gemüse kaum Jod enthalten. Untersuchungen zufolge tragen sie lediglich drei Prozent zur Versorgung bei. Von Natur aus jodreich sind vor allen Dingen Seefische und Meeresfrüchte. Da diese Lebensmittel allerdings vom Großteil der Bevölkerung eher selten verzehrt werden, ist es nicht verwunderlich, dass 40 Prozent der Jugendlichen und ca. 24 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zu wenig Jod mit der Nahrung zu sich nehmen. Damit ist Jod einer der wenigen Nährstoffe mit einem weit verbreiteten Mangel in Deutschland. Zur Verbesserung der Versorgungssituation wurde Speisesalz deshalb mit Jod angereichert.

Ein Austausch von angereichertem (jodierten) Speisesalz durch Meersalz kann das Risiko für einen Jodmangel deutlich erhöhen. Professor Gärtner, Internist und Endokrinologe an der Universität München und Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel warnt: „Bei dem maximal empfohlenen Salzkonsum sind unjodiertes Meer- und Speisesalz … nicht geeignet, um den Körper ausreichend mit Jod zu versorgen.“ Bei einer täglichen Aufnahme von fünf Gramm Meersalz erhält der Körper maximal ca. 10 Mikrogramm Jod. Die empfohlene Aufnahmemenge für Jugendlichen oder Erwachsenen liegt allerdings bei 200 Mikrogramm des lebenswichtigen Spurenelements. „Die Hälfte können Verbraucher decken, wenn sie täglich mit jodiertem Salz würzen und damit hergestellte Lebensmittel konsumieren“, empfiehlt Professor Gärtner. Das verbleibende Defizit von 100 Mikrogramm pro Tag kann durch eine abwechslungsreiche Ernährung und ein- bis zweimal wöchentlich Seefisch gedeckt werden.

Weitere Information zur Jodversorgung in Deutschland finden Sie auf der Internetseite des Arbeitskreises Jodmangel: http://www.jodmangel.de/

Den Jodgehalt einzelner Lebensmittel können Sie in unserer Rubrik „Lebensmittel“ in Erfahrung bringen.

Quelle:

verfasst von am 26. November 2012 um 06:59

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Ein Kommentar zu “Viel Jod in Meersalz? Ein Trugschluss”

  1. H. Breisle sagt:

    Zum Glück!

    Jod ist ja nicht gerade für jeden gut!
    Als mir meine Ärzte sagten ich solle auf Jodverzichten, hat sich das ganz einfach angehört. Ist leider gar nicht so! Ich empfinde diese Jodverordnung als vorsättzliche Körperverletzung aus niederen Beweggründen!

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