Zimt: Vom Heil und Unheil einer Gew√ľrzpflanze

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 25. Januar 2011

zimt
© Darwin Bell

Zimt ist eines der √§ltesten bekannten Gew√ľrze

Angeblich wurde es schon im Jahr 3000 v. Chr. in China verwendet. In Europa galt Zimt bis zum 18. Jahrhundert als ein besonders kostbares und teures Gew√ľrz. Heute ist es l√§ngst f√ľr jedermann erschwinglich und gerade in der Weihnachtszeit in aller Munde. Aber nicht nur Gl√ľhwein, Zimtsterne und anderes Weihnachtsgeb√§ck werden damit aromatisiert, Zimt ist auch das ganze Jahr √ľber h√§ufig in fertigen Lebensmitteln wie Milchreis, Fr√ľhst√ľckscerealien und Geb√§cken zu finden.

Zimt ist viel mehr als nur eine geschmacksgebende Zutat.

So weisen Zimt√∂l und Zimtrinde gute antimikrobielle Wirkungen auf. Diabetikern d√ľrfte das Gew√ľrz au√üerdem aufgrund von zahlreichen Werbeversprechen f√ľr Nahrungserg√§nzungsmittel und Arzneimittel bekannt sein. Ihm werden Blutzucker- und Cholesterin– sowie Triglyzerid-senkende Effekte nachgesagt. In einer Pilotstudie, die 2003 durchgef√ľhrt wurde, wurde die Wirkung gr√∂√üerer Zimtmengen (1‚Äď6 g t√§glich) untersucht. Hier konnte eine m√∂gliche Senkung des N√ľchternblutzuckers, der Triglyzeride, des Gesamt- und des LDL-Cholesterins beobachtet werden.

Keine Empfehlung von Zimt bei einem Diabetes

In einer weiteren Studie war die Einnahme von Zimt ebenfalls mit einem geringeren Blutzuckerspiegel ver¬≠bunden, dies hatte allerdings keine Auswirkungen auf den HbA1c-Werts („Langzeit¬≠blutzuckerspiegel“ √ľber die letzten zwei bis drei Monate), auch die Blutfettwerte der Probanden blieben unver√§ndert. Die derzeit vorhandenen Studienergebnisse lassen keine endg√ľltige Bewertung m√∂glicher g√ľnstiger Wirkungen von Zimt bei Diabetes zu. Die Einnahme gr√∂√üerer Mengen des Gew√ľrzes zur Verbesserung des Blutzucker- und Blutfettspiegels kann bisher nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin nicht empfohlen werden.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Hinzu kommt, dass Zimt nicht nur gesundheitsf√∂rdernde, sondern auch gesundheits¬≠sch√§¬≠di¬≠gende Inhaltsstoffe enthalten kann. Bei Untersuchungen der Landesuntersuchungs√§mter wurden erstmals im Jahr 2006 Zimtprodukte entdeckt, deren Cumaringehalt die erlaubte Menge um das bis zu 37-fache √ľberschritten.

zimtstern
© realSMILEY

Cumarin kann Leberentz√ľndungen und Lebersch√§den verursachen, h√∂here Konzentrationen k√∂nnen zu Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel f√ľhren. In Tierversuchen an Ratten konnten sehr hohe Dosierungen sogar Krebs ausl√∂sen, die √úbertragbarkeit dieser Studienergebnisse auf den Menschen sind allerdings umstritten ‚Äď zumal derart hohe Mengen an Cumarin wohl kaum nur durch Lebensmittel aufgenommen werden k√∂nnen.

Cumarin in Zimtsternen

Die deutlich √ľberschrittenen Grenzwerte von Cumarin in Zimt und zimthaltigen Produkten f√ľhrten im Jahr 2006 zu einer Warnung des Bundesinstituts f√ľr Risikobewertung vor einem zu hohen Verzehr derartiger Produkte. Die maximal erlaubte Tagesdosis in H√∂he von 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm K√∂rpergewicht t√§glich k√∂nne bei kleineren Kindern bereits durch vier, bei gr√∂√üeren Kindern durch sechs Zimtsterne erreicht werden. Bei Erwachsenen w√ľrde die Grenze durch den Verzehr von acht Zimtsternen erreicht. Das BfR gab allerdings auch zu bedenken, dass Zimt auch in vielen anderen Produkten, wie in Fr√ľhst√ľcksprodukten, Lebkuchen, Puddings, Gl√ľhwein, diversen Teesorten, Gew√ľrzmischungen (z. B. Curry) und sogar in Kosmetika enthalten sein kann. Diese sollten bei der t√§glichen Gesamtaufnahme von Zimt mit ber√ľcksichtigt werden.

Zimtkapseln können viel Cumarin enthalten

Im Rahmen der Untersuchungen der √úberwachungsbeh√∂rden fiel auch der hohe Cumarin-Gehalt von Zimtkapseln auf. Je nach Dosisempfehlungen konnte bereits die alleinige Aufnahme dieser Nahrungserg√§nzungsmittel zu einer √úberschreitung des als tolerierbar angesehenen t√§glichen Aufnahmewertes f√ľhren.

Zimt
© 00dann

Wie kann ich mich vor Cumarin sch√ľtzen?

In der Folge konnte nachgewiesen werden, dass insbesondere Cassia-Zimt (im Unterschied zum teureren Ceylon-Zimt) erh√∂hte Cumaringehalte aufwies, so dass Verbrauchern und der Lebensmittelindustrie empfohlen wurde, den teureren Ceylon-Zimt zu bevorzugen. Nach anf√§nglichen Schwierigkeiten scheinen die Warnungen und Empfehlungen Fr√ľchte zu tragen, jedenfalls ist der Cumaringehalt in Weihnachtsgeb√§ck in den letzten Jahren deutlich zur√ľckgegangen. Verbrauchern wird aber weiterhin geraten, gerade im h√§uslichen Bereich Ceylon-Zimt den Vorrang zu geben, zumal der Cumaringehalt in Zimt sehr stark variieren kann.

Verbraucher erkennen Ceylon-Zimtstangen an ihrem Querschnitt: W√§hrend bei Cassia-Zimt eine relativ dicke Rindenschicht zu einem R√∂llchen eingerollt ist, √§hnelt eine Ceylon-Zimt-Stange im Querschnitt einer angeschnittenen Zigarre: mehrere feine Rindenlagen sind zu einer Zimtstange gerollt, so dass ein vergleichsweise eng gepackter Querschnitt entsteht. Bei Zimtpulver ist es f√ľr den Verbraucher kaum m√∂glich, Ceylon-Zimt von Cassia-Zimt zu unterscheiden. Die Herkunft des Zimts ist auf der Verpackung meist nicht deklariert, gelegentlich waren in der Vergangenheit falsche Angaben festzustellen.

Hinweis:

Wie sich der Cumaringehalt von Zimtkapseln, wie sie f√ľr Diabetiker ausgewiesen werden, seit den Untersuchungen 2006 ver√§ndert hat, ist weitgehend unbekannt. Da der Nutzen derartiger Produkte jedoch bisher nicht eindeutig belegt ist, ist von einer Zimt-Einnahme √ľber die √ľblicherweise in Lebensmitteln enthaltene Menge hinaus nach heutigen Wissen abzuraten.

Quellen einblenden

  • Bundesinstitut f√ľr Risikobewertung (BfR): Verbraucher, die viel Zimt verzehren, sind derzeit zu hoch mit Cumarin belastet. Gesundheitliche Bewertung des BfR, Nr. 043/2006, 16. Juni 2006.
  • Bundesinstitut f√ľr Risikobewertung (BfR):¬† Hohe t√§gliche Aufnahmemengen von Zimt: Gesundheitsrisiko kann nicht ausgeschlossen werden. Gesundheitliche Bewertung des BfR, Nr. 044/2006, 18. August 2006.
  • Khan A, Safdar M, Khan M, Khattak K, Anderson R: Cinnamon improves glucose and lipids of people with type 2 diabetes. DIAB CARE 2003, 26:3215-3218.
  • Mang B, Wolters M, Schmitt B, Kelb K, Lichtinghagen R, Stichtenoth D, Hahn A: Effects of a cinnamon extract on plasma glucose, HbA, and serum lipids in diabetes mellitus type 2. EUR J CLIN INVEST 2006, 36:340‚Äď344.

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verfasst von am 25. Januar 2011 um 10:20

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