Süßholz – Arzneipflanze des Jahres 2012

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 26. Januar 2012

Das Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg und der World Wide Fund for Nature (WWF) erwählten Süßholz zur Arzneipflanze 2012. Um als Arzneipflanze nominiert zu werden, musste der Schmetterlingsblütler zwei entscheidende Bedingungen erfüllen: Er weist eine Tradition als Heilpflanze auf und seine Wirksamkeit kann als erwiesen betrachtet werden.

Zu medizinischen Zwecken verwendet werden die Wurzeln der Pflanze. Eine Abkochung der zerkleinerten Süßholzwurzel wird als Tee gereicht. Schon die alten Ägypter, später dann die Griechen setzten Süßholz gegen Husten, Heiserkeit, Asthma und Brustschmerz ein. Hildegard von Bingen ging davon aus, dass der Verzehr der Heilpflanze den Menschen „mild stimme“. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kennt und schätzt Süßholz als eines ihrer fünfzig Basiskräuter.

Lakritze
© Dawn Huczek

Aus Süßholz wird unter anderem Lakritze hergestellt.

Heute wächst Süßholz unter anderem im Mittelmeerraum und in Asien. Um die 400 Inhaltsstoffe sind in der Wurzel enthalten. Zu den wichtigsten gehören Saponine, darunter das Glycyrrhizin sowie Flavonoide, Cumarine und Schleimstoffe. Diese Stoffe hemmen Entzündungen und lindern Heiserkeit, Husten und Magenprobleme. Speziell Glycyrrhizin wird wegen des typischen Geschmacks und seiner hohen Süßkraft – es ist fünfzigfach so süß wie Zucker – zur Herstellung von Lakritze verwendet.

Noch in Erforschung ist, ob die Wurzel Virusinfektionen bekämpfen könnte. Für möglich gehalten wird auch, dass sich Süßholz auf die Gedächtnisleistung auswirkt, da Glycyrrhizin den Kortisol-Stoffwechsel beeinflusst. Diese Möglichkeit der Einflussnahme birgt aber auch Risiken. Indem Glycyrrhizin den Abbau von Kortisol verhindert, kann das Hormon Wirkungen ausüben, für die es eigentlich nicht vorgesehen ist. Es imitiert und übersteigert die Wirkung eines anderen Hormons, des Aldosterons, indem es in den Mineralstoff- und Wasserhaushalt eingreift. Dadurch kann es zu einem erhöhten Blutdruck und Wassereinlagerungen in Gewebe kommen.

Aus diesem Grund sollten von Lakritz täglich nicht mehr als 50 g gegessen werden. Ohne ärztliche Rücksprache darf Süßholzwurzel, z. B. in Form von Arzneitees, nicht länger als vier bis sechs Wochen angewendet werden. Und Leber- und Nierenkranke, Menschen mit Bluthochdruck und Schwangere sollten grundsätzlich auf Süßholz verzichten.

Hinweis: Wenn Süßwaren einen hohen oder sehr hohen Gehalt an süßendem Glycyrrhizin enthalten, müssen sie entsprechend gekennzeichnet werden.

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verfasst von am 26. Januar 2012 um 07:47

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