Was ist "Blutdruck"?

Das Herz als Pumpe

Das Herz arbeitet wie eine Pumpe: Indem sich der Herzmuskel zusammenzieht, pumpt es das Blut durch die Schlagadern (Arterien) des Körpers. Diese setzen dem hineindrängenden Blut einen bestimmten Widerstand entgegen, ähnlich einem Gartenschlauch, bei dem auch Wasser gegen einen Widerstand hindurchläuft. Beides, also die Pumparbeit des Herzens und der Gefäßwiderstand zusammen bewirken das, was der Arzt bei Ihnen als Blutdruck misst. Angegeben wird der Druck dann in "mmHg".

Hoher Blutdruck schadet den Gefäßen

Der Blutdruck darf nicht zu hoch sein. Bei einem dauerhaft erh√∂hten Blutdruck n√§mlich muss das Herz st√§ndig mehr Arbeit leisten als unter normalen Druckverh√§ltnissen. Au√üerdem werden auch die Arterien einer unn√∂tig hohen Druckbelastung ausgesetzt, was zu bleibenden Sch√§den der Blutgef√§√üe f√ľhrt (vgl. Komplikationen).

Oberer und unterer Blutdruckwert

Bei der Blutdruckmessung ermittelt der Arzt zwei Werte, nämlich einen oberen Wert, der in der Fachsprache als systolisch bezeichnet wird und einen unteren Wert, den man diastolisch nennt. Der obere Wert entspricht den Druckverhältnissen in der Arterie (meistens der Schlagader des Oberarms) im Moment der Kontraktion - also des Zusammenziehens - des Herzmuskels, in der Fachsprache auch Systole genannt. Sobald der Herzmuskel sich entspannt - diese Phase nennt man Diastole - sinkt der Blutdruck auf seinen zweiten, unteren Wert ab.

Schwankungen sind normal

Beim gesunden Menschen schwankt der Blutdruck im Laufe eines Tages ganz erheblich, denn das Herz und die Blutgef√§√üe passen ihre Aktivit√§t jeweils dem aktuellen Bedarf des K√∂rpers an Sauerstoff und N√§hrstoffen an. Der systolische Blutdruck steigt z.B. bei Anstrengung und Aufregung. Grund daf√ľr ist, dass die Blutmenge, die aus dem Herzen gepumpt wird, ansteigt und das Herz kr√§ftiger schlagen muss. Zus√§tzlich nimmt noch die Geschwindigkeit der Herzmuskelkontraktion zu. Beides f√ľhrt zu einem Anstieg des systolischen Blutdrucks. Der diastolische Blutdruck steigt, wenn die Blutgef√§√üe sich verengen und sich so der Widerstand, der dem Blutfluss entgegengesetzt wird, erh√∂ht.

Der obere Blutdruckwert ist der systolische Wert, z.B. 130 mmHg, der untere Messwert ist der diastolische Wert, z.B. 85 mmHg. Man spricht dann von einem Blutdruck von "130 zu 85", geschrieben wird es 130/85.

Definition Bluthochdruck

Maximal 140/90 mmHg

Bei jedem Menschen ändert sich im Laufe des Tages der Blutdruck in den Arterien. Er sinkt bei körperlicher und seelischer Ruhe und steigt bei Anstrengung, Aufregung und nach den Mahlzeiten. Bei krankhaftem Bluthochdruck hingegen ist der Blutdruck dauerhaft hoch und das Herz muss immer mit erhöhter Anstrengung schlagen. Werden mit einer Blutdruckmanschette am Oberarm eines Erwachsenen in Ruhe wiederholt Blutdruckwerte von 140 mmHg systolisch und 90 mmHg diastolisch und höher gemessen, liegt nach internationaler Übereinkunft ein erhöhter Blutdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, vor.

Schweregrade

Der Bluthochdruck wird in drei Schweregrade, Stadium 1, 2 und 3 (s. Tabelle unten), eingeteilt. Die Behandlung des Bluthochdrucks richtet sich ganz wesentlich nach diesen Stadien und begleitenden Komplikationen. Zusätzlich wird noch, je nachdem ob der systolische Blutdruck (erster Wert bei der Blutdruckmessung) oder der diastolische Blutdruck (zweiter Wert bei der Blutdruckmessung) erhöht ist, in eine "systolische" oder "diastolische Hypertonie" unterteilt. Sind beide Blutdruckwerte zu hoch, spricht man von einer "kombinierten Hypertonie".

Klassifikation

Kategorie Systolischer Blutdruck (mmHg) Diastolischer Blutdruck (mmHg)
Optimal* < 120 < 80
Normal < 130 < 85
Hochnormal 130-139 85-89
Hypertonie
Stadium 1 140-159 90-99
Stadium 2 160-179 100-109
Stadium 3 >180 >110

* Im Hinblick auf das Risiko f√ľr eine Herz- oder Gef√§√ükrankheit liegt der optimale Blutdruck eines Erwachsenen niedriger als 120/80 mmHg. Ungew√∂hnlich niedrige Blutdruckwerte insbesondere in Zusammenhang mit Beschwerden sollten aber auf jeden Fall √§rztlich abgekl√§rt werden.

Normalwerte f√ľr Kinder

Alter systolisch (mmHg) diastolisch (mmHg)
0-3 Monate 70-86 -----
3-12 Monate 86-93 60-62
1-9 Jahre 95-101 65-69
9-14 Jahre 101-110 68-74

Vorsicht bei Blutdruckwerten √ľber 180/100 mmHg

Eine Erh√∂hung des Blutdrucks auf Werte √ľber 180 mmHg systolisch und 100 mmHg diastolisch muss immer sehr ernst genommen werden. Werte √ľber 230/120 mmHg k√∂nnen akut lebensbedrohlich werden, weil hier besonders vorgesch√§digte Gef√§√üw√§nde leicht einrei√üen und es zu gef√§hrlichen Blutungen u.a. im Gehirn kommen kann.

Bei einem mehrmals gemessenen Blutdruck von √ľber 140/90 mmHg besteht bereits ein Bluthochdruck, der in der Regel behandelt werden sollte. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt dar√ľber.

Verbreitung / Epidemiologie

Jeder zweite Bundesb√ľrger hat zu hohen Blutdruck

Studien, die sich mit der Häufigkeit des Auftretens von Bluthochdruck in der Bevölkerung befassen, haben ergeben, dass in Ländern mit westlicher Lebensweise etwa jeder zweite Erwachsene an einem Bluthochdruck (Blutdruckwerte von > 140/ 90) leidet.

Nur etwa 5% der Patienten mit Bluthochdruck sind erfolgreich behandelt.

Die unterschiedlichen H√§ufigkeitszahlen in Abh√§ngigkeit von Alter und Geschlecht f√ľr das Jahr 1988 sind in der n√§chsten Tabelle aufgezeichnet. Man sieht, dass die H√§ufigkeit des hohen Blutdrucks in hohem Ma√üe nicht nur geschlechtsabh√§ngig, sondern auch altersabh√§ngig ist.

Im j√ľngeren Lebensalter sind deutlich weniger Frauen als M√§nner betroffen, in h√∂herem Lebensalter heben sich diese Unterschiede wieder weitgehend auf.

Lebensalter Blutdruck in % der Probanden > 140/90
männlich weiblich
25-29 25,8 11,4
30-39 33 16,5
40-49 46,5 34,9
50-59 61,3 53,9
60-69 70,7 67,5

H√§ufigkeit von Blutdruckwerten √ľber 140/90 in Abh√§ngigkeit von Alter und Geschlecht (Deutsche Herz-Kreislauf-Pr√§ventionsstudie, 1988).

Ursachen und Risikofaktoren

In 80-90% liegt eine sogenannte "essentielle Hypertonie" vor. Das bedeutet, dass bei den meisten Hypertonikern eine genetisch bedingte Veranlagung zu Bluthochdruck besteht.

Neben dieser erblichen Disposition wirken aber Lebensstilfaktoren (und hierbei im besonderen die Ernährung) letztlich auslösend oder verstärkend. Vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen konnten den Einfluss der folgenden Risikofaktoren sichern:

  • √úbergewicht
  • zuviel Kochsalz
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Stress
  • mangelnde Bewegung

Bei Frauen wirkt sich zus√§tzlich die Hormonumstellung in den Wechseljahren ung√ľnstig auf den Bluthochdruck aus. Faktoren unseres Wohlstandslebens bleiben aber die Hauptausl√∂ser.

Nur 10-20% der Hypertoniker haben eine sogenannte sekund√§re Hypertonie. Hier tritt der Bluthochdruck in Folge einer Organ- oder Systemerkrankung auf. Beispiel ist die renale (durch eine Nierenerkrankung bedingte) Hypertonie, die aufgrund einer Verengung der Nierenarterien, entz√ľndlicher Nierenerkrankungen oder eines Tumors entstehen kann. Ein anderes Beispiel ist das Auftreten eines Bluthochdrucks beim Diabetes mellitus infolge von Nierenver√§nderungen, die durch l√§ngerfristig erh√∂hte Blutzuckerwerte verursacht werden.

Auch bestimmte Medikamente k√∂nnen zu einer Erh√∂hung des Blutdrucks f√ľhren wie z.B.

Lebensstilfaktoren beeinflussen den Blutdruck entscheidend. Hier können Sie etwas ändern!