Intoleranzen - Fructoseintoleranz

Fructose

Definition der Fructose

Fructose (Fruchtzucker) ist ein Einfachzucker, der im Darm resorbiert wird und anschließend in den Stoffwechsel eingeht. Dort dient sie unter anderem der Energiegewinnung.

Da die Fructose insulinunabhängig verstoffwechselt wird, galt sie einige Zeit als idealer Diabetikerzucker, bis man herausgefunden hat, dass sich größere Mengen Fructose nachteilig auf den Fettstoffwechsel auswirken.

Vorkommen der Fructose

Fructose ist vor allem in Fr√ľchten und im Honig enthalten und kommt in Spuren in den meisten Pflanzen vor. Fr√ľchte weisen durchschnittlich ein bis sieben Prozent an dem Einfachzucker auf. Einen besonders hohen Gehalt an Fructose haben √Ąpfel, Birnen, Weintrauben und Trockenobst. Reife Fr√ľchte bestehen aus mehr Fruchtzucker als unreife, da mit der Reifung fruchteigener Zucker (Saccharose) zunehmend in Fructose und Glucose gespalten wird.

Fructose kommt sowohl in freier Form als auch in folgenden Verbindungen vor:

  • Haushaltszucker: Gemisch aus Fructose und Glucose
  • Inulin: Kohlenhydrat, das aus Fructose aufgebaut ist
  • Sorbit: chemischer Abk√∂mmling der Glucose, der im K√∂rper in Fructose umgewandelt und als Zuckeraustauschstoff verwendet wird
  • Honig: Gemisch aus Fructose und Glucose
  • Invertzucker: Gemisch aus Fructose und Glucose

Bedarf, Aufnahme und Abbau der Fructose

Der menschliche Körper ist nicht auf Fructose als Nährstoff angewiesen, da er bei Bedarf Glucose in Fructose umwandeln kann.

Fructose wird im Darm √ľber spezielle Transport-Proteine aufgenommen. Sie wird im K√∂rper vor allem in der Leber abgebaut. Dort wird sie in zwei kleinere Teilchen umgebaut, so dass sie entweder direkt zur Energiegewinnung oder auch zum Aufbau von Triglyceriden (Fetten) genutzt werden kann.

Fructose wird nur zu einem sehr geringem Teil √ľber die Niere ausgeschieden, der gr√∂√üte Teil wird im K√∂rper zur√ľckbehalten.

Fructoseintoleranz

Definition der Fructoseintoleranz

Der Begriff "Fructoseintoleranz" umfasst drei Störungen des Fructosestoffwechsels:

  • eine Fructos√§mie, die zusammen mit einer Fructosurie auftritt,
  • eine Fructosemalabsorption auch bezeichnet als intestinale Fructoseintoleranz oder aliment√§re Fructoseunvertr√§glichkeit und
  • eine heredit√§re Fructoseintoleranz.

Fructosämie und Fructosurie

Dieser Form der Fructoseintoleranz liegt ein Ausfall der Fructokinase (Enzym) in der Leber zugrunde. Dieser Ausfall ruft eine Anh√§ufung von Nahrungs-Fructose in Blut (Fructos√§mie) und Harn (Fructosurie) hervor. Die essentielle Fructosurie ist nicht behandlungsbed√ľrftig und wird meist nur zuf√§llig diagnostiziert.

Fructosemalabsorption - auch intestinale Fructoseintoleranz oder alimentäre Fructoseunverträglichkeit

Ursachen der Fructosemalabsorption

Fructose wird, wie bereits erw√§hnt, im Darm √ľber spezielle √ľber Transport-Proteine aufgenommen. Dieses Transportsystem kann durch angeborene oder erworbene St√∂rungen beeintr√§chtigt sein. In diesem Fall kommt es zu einer Fructosemalabsorption (gest√∂rte Aufnahme der Fruktose im Darm).

Diese Form der Fructoseintoleranz kann in ihrem Auftreten sowohl vor√ľbergehend als auch lebenslang bestehen. Sch√§tzungen zufolge leiden zwei von drei Kindern und jeder dritte Erwachsene zeitweise an einer Fructosemalabsorption.

Der Verzehr sehr gro√üe Mengen Fructose (35 - 50 Gramm pro Stunde) √ľberlastet allerdings das Transportsystem der meisten Menschen und f√ľhrt zu einer Malabsorption, teils mit, teils ohne Beschwerden.

Symptome der Fructosemalabsorption

Wenn die Fructose-Aufnahme infolge einer Malabsorption gest√∂rt ist, wird Fructose nicht im D√ľnndarm in den Blutkreislauf aufgenommen, sondern gelangt bis in den Dickdarm. Hier wird der Fruchtzucker durch Bakterien zu kurzkettigen Fetts√§uren abgebaut. Diese bakteriellen Abbauprodukte k√∂nnen anschlie√üend Magen-Darm-Beschwerden wie Bl√§hungen und Durchfall ausl√∂sen.

Weitere N√§hrstoffe beeinflussen die Fructose-Resorption. W√§hrend Sorbit die Aufnahme der Fructose weiter verschlechtert, steigert Glucose eine Aufnahme. Proteine und Fette entschleunigen die Magen-Darmpassagezeit und verlangsamen somit das Anfluten der Fructose im D√ľnndarm. Diese Verz√∂gerung wirkt sich ebenfalls vorteilhaft auf die Fructose-Resorption aus.

Wenn eine Fructosemalabsorption l√§ngere Zeit besteht, ohne dass Gegenma√ünahmen ergriffen werden, √§ndert sich die Zusammensetzung der Dickdarmbakterien. Es entstehen mehr H2-bildende Bakterien, wodurch der pH-Wert sinkt. Durch diese Ver√§nderungen zusammen mit den steigenden Druckverh√§ltnissen im Darm k√∂nnen H2-bildende Bakterien auch in die unteren Abschnitte des D√ľnndarms gelangen. Daraufhin kommt es zu anhaltenden Beschwerden, die nun selbst beim Verzehr nichtfructose-haltiger Lebensmittel auftreten k√∂nnen.

Diagnose der Fructosemalabsorption

In den letzten Jahren wurde eine Fructosemalabsorption zunehmend h√§ufiger diagnostiziert. Ein Grund daf√ľr k√∂nnte in der verst√§rkten Aufnahme von Fructose √ľber Nahrungs- und Lebensmittel liegen. Fructose wird vielen industriell gefertigten Produkten wie Softdrinks, S√ľ√üwaren und Geb√§ck in Form von HFCS zum S√ľ√üen zugesetzt.

Aufschluss √ľber das Vorliegen einer Fructosemalabsorption gibt der H2-Atemtest. Dieser Test gilt als die beste Nachweismethode f√ľr eine Fructosemalabsorption. Erwachsene erhalten 25 Gramm Fructose gel√∂st in 250 Milliliter Wasser, Kinder ein Gramm Fructose pro Kilogramm K√∂rpergewicht zum Trinken. Von einer Malabsorption spricht man, wenn der N√ľchternwert f√ľr H2 um mehr als 20 ppm ansteigt und au√üerdem Magen-Darm-Beschwerden bestehen.

Mit einem Sieben-Tage-Ern√§hrungsprotokoll kann der Befund zus√§tzlich abgesichert werden. √úber das Protokoll kann ausgeschlossen werden, dass ein zeitweise bestehender, √ľberm√§√üiger Verzehr von Fructose bzw. Sorbit zu den Symptomen gef√ľhrt hat.

Therapie der Fructosemalabsorption

Durch eine zeitliche befristete, m√§√üige Einschr√§nkung von Fructose und Zuckeralkoholen kann der Symptomatik entgegengewirkt werden. Nachdem die Beschwerden zur√ľckgegangen sind, wird gemeinsam mit dem Ern√§hrungsberater oder -therapeut ausgetestet, wie viel Fructose der Betroffene gut vertr√§gt. Durch dieses Vorgehen erreicht der Betroffene in der Regel bald wieder eine gute Vertr√§glichkeit der getesteten Mengen Fructose.

Vorgehen bei der Ernährungstherapie

Etwa zwei Wochen lang:

  • leichte Vollkost fructosearm
  • keine Zuckeralkohole

Bis zu sechs Wochen:

  • erweiterte Lebensmittelauswahl
  • Ermitteln der individuellen Fructose-Vertr√§glichkeit; Einf√ľhren verschiedener Obstsorten
  • evtl. etwas mehr protein- und fettreiche Lebensmittel, um die Fructose-Toleranz zu verbessern

Dauerhafte Ernährung:

  • n√§hrstoffdeckende, vollwertige Ern√§hrung
  • Individuelle Empfehlungen orientieren sich am pers√∂nlichen Verzehrsverhalten des Betroffenen (auch √ľber die Zusammensetzung und die Portionsgr√∂√üe einer Mahlzeit l√§sst sich die Vertr√§glichkeit beeinflussen).
  • Der Schwerpunkt bei den pflanzlichen Lebensmitteln sollte eher auf Gem√ľse als auf Obst liegen. Bei der intestinalen Fructoseintoleranz muss individuell ermittelt werden, welches Obst vertragen wird und welches nicht. Obst wird in mehrere kleine Portionen aufgeteilt meist besser vertragen. Obstsorten mit einem besonders hohen Fructose- bzw. Sorbitgehalt (zum Beispiel Rosinen, getrocknete Pflaumen, Weintrauben) m√ľssen in der Regel gemieden werden.
  • Verzichtet werden sollte auch auf industrielle Lebensmittel mit einem Zusatz von Fructose oder Sorbit. Um zu erfahren, ob Fructose(-sirup) und Zuckeralkohole in fertigen Lebensmitteln enthalten sind, hilft ein Blick auf die Zutatenliste. M√∂gliche Bezeichnungen f√ľr diese S√ľ√üungsmittel lauten: Fructose, Fruktose, Fruchtzucker, Fructose-Glucose-Sirup, Zuckeraustauschstoff, Sorbit (E 420), Mannit (E421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E966), Xylit (E 967), Zuckeralkohol.

Hereditäre Fructoseintoleranz

Ursachen der hereditären Fructoseintoleranz

Bei der heredit√§ren Fructoseintoleranz handelt es sich um eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Die gesch√§tzte H√§ufigkeit liegt bei 1:20.000 bis 1:50.000. Verursacht wird die heredit√§re Fructoseintoleranz durch den Defekt eines Enzyms, der Fructose-1-Phosphataldolase, die Fructose in Leber, Nieren und Darm in zwei kleinere Bruchst√ľcke spaltet. Durch den Enzymmangel kommt es zu einer Anreicherung von Fructose-1-Phosphat in der Darmwand, der Leber und den Nieren.

Symptome der hereditäre Fructoseintoleranz

Fructose-1-Phosphat, das sich bei der heredit√§ren Fructosintoleranz anh√§ufen kann, wirkt in gr√∂√üeren Mengen giftig. Es hemmt die Bildung von Glucose im K√∂rper und l√∂st so eine Unterzuckerung aus. Auch taucht es in gr√∂√üeren Mengen in Blut und Urin auf und f√ľhrt hier zu weiteren Sch√§den (siehe unten).

Die ersten Beschwerden stellen sich mit der Einf√ľhrung von Fructose in die Nahrung des S√§uglings ein, zum Beispiel mit Milch, die Haushaltszucker (Saccharose) enth√§lt.

Symptome dieser Form der Fructoseintoleranz sind unter anderem:

  • Erbrechen
  • Hypoglyk√§mie (Unterzucker)
  • Vergr√∂√üerung der Leber mit sp√§terem √úbergang in Zirrhose
  • Gerinnungsst√∂rung
  • Schock
  • Eiwei√üausscheidung √ľber die Nieren (Proteinurie)

√Ąltere Kinder mit einer heredit√§ren Fructoseintoleranz haben oft eine Abneigung gegen Obst und S√ľ√üigkeiten.

Diagnose der hereditäre Fructoseintoleranz

Die heredit√§re Fructoseintoleranz wird √ľber eine Gewebeentnahme aus der Leber, den Nieren oder dem D√ľnndarm zum Nachweis des Enzymmangels (Fructose-1-Phophataldolase) festgestellt.

Therapie der hereditären Fructoseintoleranz

Nur durch ein striktes, lebenslanges Meiden von Fructose kann einer Lebererkrankung vorgebeugt werden. Diese Form der Fructoseintoleranz verlangt somit nach einer völlig anderen Ernährung als es bei der intestinalen Form (Fructosemalabsorption) der Fall ist.

Aufgrund ihres Fructosegehalts verbotene Lebensmittel

  • Haushaltszucker, Honig, Invert- und Diabetikerzucker
  • alle zuckerhaltigen Lebensmittel wie:
    S√ľ√üigkeiten aller Art, ges√ľ√üte Milch- und Getreideerzeugnisse, ges√ľ√üte Wurstwaren, Obst- und Gem√ľsekonserven, alle nicht ausdr√ľcklich erlaubten Obst- und Gem√ľsesorten, Fruchts√§fte, Marmelade
  • (fertige) Mayonnaise, Ketchup, Fertigsaucen
  • Fleisch, Wurst und Fisch mit fertiger Salatso√üe oder mit Marinade
  • alle inulinhaltigen Lebensmittel wie: Topinambur, Artischocken
  • alle mit Sorbit (Sorbitol) hergestellten Lebensmittel (Zutatenliste beachten, Sorbit hat die E-Nummer 420)
  • Vorsicht ist auch bei Tabletten geboten

Wir haben Ihnen eine Liste mit dem Fructosegehalt und eine Liste mit dem Sorbitgehalt verschiedener Lebensmittel zusammengestellt.

Tipp

Sie interessieren sich f√ľr den Fructose- und Sorbitgehalt weiterer Lebensmittel? Angaben dazu finden Sie √ľber unsere Lebensmittelsuche.

Bedingt erlaubte Lebensmittel

Alle Obst- (Ausnahme Zitronen) und die meisten Gem√ľsesorten sowie Kartoffeln enthalten Fructose. W√§hrend des ersten Lebensjahres sollte daher bei einer heredit√§ren Fructoseintoleranz v√∂llig auf Obst und Gem√ľse verzichtet werden. Zu selbst zubereiteter Beikost wird geraten. Vitamine m√ľssen in Tablettenform zugef√ľhrt werden.

Im Erwachsenenalter bedingt erlaubt sind (je nach Schwere des Enzymdefekts):

  • fructosearme Gem√ľse: gr√ľne Bohnen, Kopfsalat, Feldsalat, Champignons, Chicor√©e, Broccoli, Blumenkohl, Chinakohl, Gr√ľnkohl, Spargel, Gurken, Spinat, Erbsen, Pilze, Rettiche, Radieschen, Wei√ükohl, Tomaten, Sellerie, Mangold, Karotten, Sauerkraut, Zucchini unter anderem (unterschiedliche Fructose-Gehalte sind bei der Wahl der Portionsgr√∂√üe zu beachten)
  • Rhabarber, Zitronen
  • gelegentlich sind auch Kartoffeln erlaubt, wenn diese mindestens 10-20 Tage gelagert, dann gesch√§lt, zerschnitten und einen Tag gew√§ssert wurden - besser geeignet sind allerdings Teigwaren oder Reis
  • Br√∂tchen und alle Brotsorten, die ohne Zucker, Honig, Sirup oder Zuckeralkohole hergestellt sind, gelten (in Ma√üen) als geeignet wobei Vollkornmehl mehr Fructose enth√§lt als Auszugsmehl und daher eher gemieden werden sollte.

Empfehlungen f√ľr die Fructosezufuhr bei einer heredit√§ren Fructoseintoleranz:

  • erster bis sechster Lebensmonat: fructosefrei
  • ab dem siebten Lebensmonat: ein halbes bis ein Gramm Fructose pro Tag
  • ab zwei Jahren: maximal ein Gramm Fructose pro Tag
  • ab vier Jahren: maximal zwei Gramm Fructose pro Tag
  • ab elf Jahren: maximal vier Gramm Fructose pro Tag
  • Jugendliche/Erwachsene bis maximal sechs Gramm Fructose pro Tag