Laktoseintoleranz - Krankheitsbild

Definition

Eine Laktoseintoleranz ist eine Milchzuckerunverträglichkeit, bei der ein Bestandteil der Milch, die Laktose (= Milchzucker), Unverträglichkeiten hervorruft. Der Schweregrad ist individuell sehr unterschiedlich. Er hängt u.a. davon ab, ob die Laktase (Milchzucker spaltendes Enzym) völlig fehlt oder ob noch eine Restfunktion vorhanden ist.

Die Laktoseintoleranz sollte nicht mit einer Milcheiweißallergie verwechselt werden.

Ursachen

Ursache f√ľr die Milchzuckerunvertr√§glichkeit ist das Fehlen bzw. die unzureichende Produktion des Verdauungsenzyms Laktase. Dieses ist notwendig, um den Milchzucker in seine Einzelbestandteile (Glucose + Galaktose) zu spalten, die dann in das Blut aufgenommen werden k√∂nnen.

Das Verdauungsenzym Laktase kommt in der D√ľnndarmschleimhaut vor. Wird der Milchzucker nicht gespalten und gelangen gr√∂√üere Mengen in untere, mit Bakterien besiedelte Darmabschnitte, dient der Milchzucker den Bakterien als N√§hrsubstrat. Es entstehen gro√üe Mengen an Gasen und organischen S√§uren. Diese bewirken ein Einstr√∂men von Wasser in den Darm sowie vermehrte Darmbewegungen.

Symptome

Die Folgen bzw. Symptome einer Milchzuckerunverträglichkeit sind:

  • Bauchschmerzen/ -koliken
  • V√∂llegef√ľhl
  • Bl√§hungen
  • Durchfall
  • √úbelkeit

Diagnose

Zur Sicherung der Diagnose wird ein oraler Milchzuckerbelastungstest mit 50g Milchzucker durchgef√ľhrt. Wird die Laktose im D√ľnndarm nicht ausreichend resorbiert, kann dies mit zwei Methoden nachgewiesen werden:

  • Anstieg des Wasserstoff-Gehaltes in der Atemluft
  • fehlender oder zu geringer Blutzuckeranstieg

Die nicht resorbierte Laktose gelangt in den Dickdarm und wird von den dortigen Bakterien unter Freisetzung von Wasserstoff verstoffwechselt. Der entstehende Wasserstoff wird absorbiert und √ľber die Lunge abgeatmet. Bei einem Wasserstoff-Anstieg von mehr als 20 ppm und einem Blutzuckeranstieg von weniger als 20 mg/dl gilt die Diagnose der Laktoseintoleranz als gesichert.

Formen

Primärer Laktasemangel

Hier werden abh√§ngig vom Zeitpunkt der Manifestation zwei Formen unterschieden: neonataler Laktasemangel (erbliche Stoffwechselkrankheit, sehr selten) und physiologischer Laktasemangel, der nach dem Abstillen beginnt. Dabei geht die Laktase-Aktivit√§t, mit zunehmendem Alter, gegen null zur√ľck. Diese Form ist weltweit verbreitet.

Sekundärer Laktasemangel

Hier ist der Laktasemangel Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung wie z.B. Z√∂liakie oder Morbus Crohn. Deshalb kann diese Form in jedem Alter auftreten. Wenn die ausl√∂sende Erkrankung abgeheilt ist, kann auch wieder ausreichend Laktase gebildet werden und sich die Laktoseintoleranz zur√ľckbilden.

Häufigkeit

Regionale Unterschiede

Die Mehrzahl der Weltbevölkerung (ca. 90%) kann Milchzucker nach dem Säuglingsalter nicht mehr vollständig verwerten.

In asiatischen Ländern z.B. fehlt den meisten Menschen das Enzym zur Spaltung des Milchzuckers. Daher findet man in diesen Regionen auch keine Milch oder Käseprodukte auf dem Speiseplan. In Mitteleuropa leiden ca. 10 - 20% der Durchschnittsbevölkerung an einer Laktoseintoleranz.

Komplikationen

Bei Laktasemangel besteht die Therapie in der Reduzierung bzw. Meidung des Verzehrs von Milch und Milchprodukten. Da diese Lebensmittel Hauptlieferanten des Mineralstoffs Calciums sind, der u.a. f√ľr die Stabilit√§t des Knochenger√ľstes mitverantwortlich ist, besteht bei Menschen mit Laktasemangel die Gefahr einer Osteoporose.

Bei Vegetariern, deren Haupt-Eiwei√ülieferant meist Milch- und Milchprodukte darstellen, kann es zus√§tzlich zu einem Eiwei√ümangel kommen, v.a. wenn unzureichende Kenntnisse √ľber die N√§hrstoffzusammensetzung der Nahrungsmittel und des N√§hrstoffbedarfs vorliegen.