Fettstoffwechselstörungen - Therapie

Abbau von Übergewicht

Risikofaktor Nr. 1

Oberstes Ziel ist das Anstreben des Normalgewichts, denn jedes Kilo weniger wirkt sich günstig auf den Blutfettspiegel aus. Überernährung und daraus resultierendes Übergewicht (Adipositas) begünstigen in hohem Maße die Entstehung einer Hyperlipoproteinämie.

Übergewicht = Risikofaktor Nr. 1

Eine Reduktion des Gewichts ist nach heutigen Erkenntnissen am einfachsten über die Reduzierung der Fettzufuhr mit der Nahrung, eine Einschränkung des Alkoholkonsums und durch mehr körperliche Betätigung zu erreichen. Diese Maßnahmen haben zudem einen günstigen (senkenden Einfluss) auf erhöhte Fettwerte, erhöhte Blutzuckerwerte und den Blutdruck.

Bei Normalgewichtigen sollte das Gewicht im Normbereich gehalten werden, um das Risiko der Entstehung von Stoffwechselerkrankungen möglichst gering zu halten.

Genauere Infos hierzu finden Sie unter dem Kapitel Übergewicht.

Ernährungsempfehlungen

Allgemeines

Die Ernährung hat bei Fettstoffwechselstörungen einen hohen Stellenwert und stellt die Grundlage der Behandlung dar. Häufig ist falsche Ernährung ausschlaggebend für das Auftreten von Fettstoffwechselstörungen. Dann ist die Ernährungsumstellung die vorrangige und häufig alleinige therapeutische Maßnahme.

Aber keine Sorge - nicht Verzicht, sondern Umstellung der Ernährung ist angesagt, denn ein Verzicht (z.B. auf Butter) hat noch keinen Cholesterinspiegel in Ordnung gebracht!

Angepasste Energiezufuhr

Bekommt der Körper mehr Energie als er verbraucht, steigt das Körpergewicht. Umgekehrt sinkt es, wenn der Gesamtenergieverbrauch höher ist als die Zufuhr.

Der Energiebedarf ist abhängig von vielen Faktoren, z.B. Größe, Alter, körperliche Tätigkeit, Muskelmasse etc.

Mehr Informationen und Anleitung zum Thema Gewichtsreduktion finden Sie auf unseren Seiten zum Thema Übergewicht.

Nährstoffrelation

"Richtige" Ernährung bedeutet vor allem, dass das Verhältnis von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten (Nährstoffrelation) stimmen sollte.

Die Nährstoffrelation sollte laut DGE wie folgt aussehen:

Bild Nährwertrelation nach DGE

Diese Aufteilung entspricht bei einer Energiezufuhr von 2000 kcal am Tag ca. 70 g Fett, 75 g Eiweiß und 275 g Kohlenhydrate

Und so sieht die Nährstoffverteilung bei einem Großteil der Bundesbürger aus:

Bild Nährwertrelation
				der Bundesbürger

Das bedeutet, dass die meisten Menschen viel zu viel Fett zu sich nehmen und das geht zu Kosten von Kohlenhydraten, v.a. Vollkornprodukten, Gemüse und Obst.

Reichlich Ballaststoffe

Reichlich heißt: Mindestens 30-40g Ballaststoffe pro Tag.

"Take five a day (nimm 5 am Tag)" heißt die Devise! Das bedeutet, fünf Portionen Obst, Salat bzw. Gemüse pro Tag und gilt für die Hauptmahlzeiten sowie für die Snacks zwischendurch.

  • Obst und Gemüse enthalten u.a. sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe, die sich cholesterinsenkend auswirken und insgesamt positiv für die Gesundheit sind.
  • Auch Kartoffeln und Hülsenfrüchte gehören dazu.
  • Haferkleie ist ein Nahrungsergänzungsmittel mit einem sehr hohen Ballaststoffanteil und cholesterinsenkenden Eigenschaften.

Vollkornprodukten den Vorzug geben

  • Auch Vollkornbrot, Vollkornreis, Vollkornnudeln, Vollkorngebäck und Hülsenfrüchte sind reich an Ballaststoffen und haben gegenüber Weißmehlprodukten viele Vorzüge, die den Fettstoffwechsel, das Gewicht, die Verdauung und somit die Gesundheit und das Wohlbefinden positiv beeinflussen.
  • Für Abwechslung und viel Geschmack sorgen die lange Zeit in Vergessenheit geratenen Lebensmittel Hirse und Grünkern. Aus ihnen lassen sich leckere Gerichte zaubern, die zudem noch sehr gesund sind.

Vegetarische Ernährung - günstig für die Blutfette

Untersuchungen haben ergeben, dass Vegetarier i.d.R. niedrigere Blutfettwerte haben als Nichtvegetarier. Das hat verschiedene Gründe:

Vegetarier verzichten auf Wurst und Fleisch - Lebensmittel, die meist reich an Cholesterin und Fett sind und deren Fette überwiegend aus gesättigten Fettsäuren bestehen. Außerdem essen sie mehr Vollkornprodukte, Gemüse und Obst und praktizieren häufig eine gesündere Lebensweise.

Öfter mal Fisch

Essen Sie regelmäßig Fisch, denn Fisch ist ein sehr wertvolles Nahrungsmittel. Er ist reich an Jod (Seefisch) und tierischem Eiweiß, meist bei geringem Fettgehalt.

Aber auch fette Fische wie Makrele, Lachs und Hering sind der Gesundheit, speziell bei erhöhten Blutfettwerten, sehr zuträglich und sollten häufiger in den Speiseplan eingebaut werden. Sie enthalten nämlich reichlich Omega-3-Fettsäuren, die sich positiv auf den Blutfettspiegel und die Fließfähigkeit des Blutes auswirken. Wer keinen Fisch mag, findet in Fischölkapseln eine adäquate Alternative.

Zuckerverzehr reduzieren

Der übermäßige Genuss von Zucker, zuckerreichen Speisen und Getränken kann zu Übergewicht führen, was sich wiederum ungünstig auf den Blutfettspiegel auswirkt. Ferner wird ein Überangebot an Zucker vom Körper in Fett umgewandelt. Hierdurch steigt der Triglyceridspiegel im Blut und der HDL-Cholesterinwert sinkt.

Wenn die Triglyceride erhöht sind, sollte auf Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel verzichtet werden (siehe Therapie bei Hypertriglyceridämie).

Alkoholkonsum einschränken

Auch Alkohol hat einen Einfluss auf die Blutfette und trägt zu deren Erhöhung bei, da Alkohol die Neubildung von Triglyceriden in der Leber fördert. Bei erhöhten Triglyceriden sollte daher auf Alkohol verzichtet werden. Außerdem enthält er viele Kalorien und trägt somit zur Entstehung von Übergewicht bei.

Wichtig: Alkohol schädigt ab einer bestimmten Menge viele Organe!

Tipp*: Maximal 30g (Männer) und 20g (Frauen) Alkohol pro Tag, das entspricht einer Menge von ca. 500ml Bier bzw. 250ml (1/4l) Wein.

* Gilt nur für Patienten ohne Erhöhung der Triglyceride!

Lebensmittelauswahl

Die folgende Liste soll Ihnen helfen, die geeigneten Lebensmittel für eine gesunde Ernährung bei Hyperlipidämie zu finden.

Die rot gekennzeichneten Lebensmittel sind nicht für Patienten mit Hypertriglyceridämie geeignet!

Lebensmittel Empfehlenswert in Maßen geeignet weniger geeignet
Speiseöle Olivenöl, Rapsöl, Erdnussöl Distelöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Weizenkeimöl, Nussöl Butter, Schmalz, Kokosfett
Fleisch Kalbfleisch, Kaninchen, Wild, Tatar Mageres Rind-, Schweine- oder Lammfleisch ohne sichtbares Fett, mageres Rinderhack Durchwachsenes, fettes Fleisch, Fleischkonserven, Speck, Schweinemett, Innereien (Herz, Leber, Niere, Hirn, Bries, Zunge)
Geflügel Hähnchen, Pute (ohne Haut), Wildgeflügel   Gans, Ente
Wurstwaren Deutsches Corned beef, Rind- oder Kalbfleischsülze, Geflügelwurst magerer Schinken (roh oder gekocht), fettreduzierte Wurstsorten (<15%Fett) fettreiche Wurstsorten (z.B. Dauerwurst, Leberwurst, Blutwurst, Mettwurst, Mortadella, Bratwurst)
Fisch Magerfische (z.B. Kabeljau, Scholle, Heilbutt, Schellfisch, Seelachs, Zander, Barsch, Hecht, Seezunge)
Fettfische (Makrele, Lachs, Hering, Thunfisch)
Panierter Fisch, Fischkonserven in Sauce Krusten- und Schalentiere (z.B. Languste, Garnele, Auster, Miesmuschel, Hummer), Aal, Kaviar, Bückling, Schillerlocken, Fischfrikadellen
Eier Eiweiß bis zu 2 Eier/Woche Über 3 Eigelb/Woche (1 Eigelb ersetzen durch 1EL Sojamehl oder Sojagetränk)
Milch/-Produkte Fettarme Milch, Kefir und Dickmilch mit 1,5 % Fett, Buttermilch,    Naturjoghurt mit 1,5 % Fett, Magerquark, Molke Kondensmilch mit 4 % Fett, Speisequark mit 10 % Fett  Vollmilch,3,5 % Fett, Kaffeesahne, Kondensmilch 7%, Naturjoghurt mit 3.5 % Fett,  Speisequark 40 % Fett, Sahnequark, Schlagsahne, Creme fraiche, Schmand
Käse Sauermilchkäse (z.B. Harzerkäse, Mainzerkäse), Magerkäse (<10%Fett i.Tr.) fettarme Käsesorten bis 30 % Fett i.Tr. fettreiche Käsesorten mit 40/45/50/60 % Fett i.Tr. z.B. Doppelrahm- frischkäse
Obst Frischobst, tiefgefrorenes Obst, ungezuckertes Obstkompott Avocado, gezuckerte Obstkonserven, Trockenobst  
Gemüse alle Arten, gedünstet oder als Rohkost, frisch oder Tiefkühlkost (TK) (je nach Jahreszeit), fettarm zubereitet Gemüsekonserven  
Kartoffeln Pellkartoffeln, Folienkartoffeln, Kartoffelpüree Kartoffelklöße Mit geeigneten Fetten gebratene oder frittierte Kartoffel- produkte, z.B. Pommes frites, Bratkartoffeln mit ungeeigneten Fetten zubereitete Kartoffelprodukte, z.B. Chips
Getreide/-Produkte Vollkornteigwaren, Haferflocken, -mehl, Haferprodukte, Mais, Grünkern, Buchweizen, Hirse, Vollkornreis Helle Auszugsmehle, helle Brotsorten, handelsübliches gezuckertes Müsli, weißer Reis, helle eifreie Teigwaren Fetthaltige Feinbrote (z.B. Croissants), eihaltige Teigwaren
Backwaren Vollkornzwieback Zwieback, Backwaren aus Hefeteig oder Quark-Ölteig Backwaren aus Mürbe-, Biskuit-, Rühr-, Blätter-, Brandteig, Salz- und Käsegebäck
Nüsse   Nüsse aller Art außer Kokosnüsse Kokosnuss
Süßwaren   Süßstoffe, Zucker, Zuckeraustauschstoffe (z.B. Fruktose), Marmelade, Gelee, Honig, Bonbons, Lakritz, Fruchtgummis, Fruchteis, Milcheis Nuss-Nougat-Creme, Schokolade, Schokoladener- zeugnisse, Pralinen, Nougat, Marzipan, Sahneeis, Softeis
Getränke alle alkoholfreien Getränke z.B. Kräuter- und Früchte-Tee, Mineralwasser, alle Getränke ohne Zusatz von Zucker(kalorienreduziert) z.B. naturtrübe/ -reine Obst- und Gemüsesäfte Fettarmer Kakao, zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, Malzbier, alkoholische Getränke Ungefilterter Kaffee, Trinkschokolade
Sonstige Produkte Kräuter, Gewürze, Senf, Essig Ketchup, Flüssigwürze, Salz Mayonnaise, Remoulade

Quelle:mod. nach Biesalski et al: Ernährungungsmedizin, Thieme Verlag, 2004

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