Fettstoffwechselstörungen - Therapie

Sekundäre Pflanzenstoffe

Hinweis

Dieses Kapitel ist für Ernährungsfachkräfte und Ärzte geschrieben. Es enthält daher möglicherweise Begriffe, die für den Laien nicht verständlich sind. Wenn Sie nicht alles verstehen, drucken Sie diese Seite doch einfach aus und besprechen Sie sie mit Ihrem Arzt oder Ernährungsberater.

Definition

Unter sekundären Pflanzenstoffen versteht man eine Gruppe unterschiedlichster Pflanzeninhaltsstoffe, die sowohl gesundheitsschädliche als auch gesundheitsfördernde Wirkungen auf den menschlichen Körper besitzen können. In einer normalen Mischkost überwiegen jedoch eindeutig die positiven Eigenschaften. Deshalb wurde der frühere – eher negative – Begriff der "antinutritiven" Inhaltsstoffe durch den neutraleren Begriff der sekundären Pflanzenstoffe ersetzt.

Wie bereits der Name verrät, kommen diese Verbindungen hauptsächlich in Pflanzen vor. Hier dienen sie als Farb- und Duftstoffe sowie zur Abwehr von Schädlingen. Es wird vermutet, dass es zwischen 60.000 und 100.000 sekundäre Pflanzenstoffe gibt. Einige von Ihnen sind in der Lage, durch verschiedene Prozesse den Cholesterinspiegel des Menschen zu senken. Die wichtigsten sekundären Pflanzenstoffe in Bezug auf den Fettstoffwechsel sind im Folgenden beschrieben.

Saponine

Hier handelt es sich um zuckerähnliche Substanzen (Glykoside), die hauptsächlich in Hülsenfrüchten (Bohnen, Luzerne) vorkommen und über zwei Wege den Cholesterinspiegel beeinflussen:

1. direkt

Saponine sind in der Lage, Cholesterin im Darm zu binden (Saponin-Cholesterin-Komplex) und dadurch die Aufnahme von Cholesterin mit der Nahrung zu reduzieren.

2. indirekt

Cholesterin ist Bestandteil der primären Gallensäuren, die zur Unterstützung der Fettverdauung in den oberen Dünndarm abgegeben werden. In unteren Darmabschnitten werden diese jedoch rückresorbiert und stehen somit dem Körper erneut zur Verfügung ("enterohepatischer Kreislauf").

Saponine binden diese primären Gallensäuren, so dass sie vermehrt mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Für die Neubildung von Gallensäure wird körpereigenes Cholesterin verwendet, was dazu führt, dass der Cholesterinspiegel im Blut sinkt.

Durch die Bindung der Gallensäuren wird zusätzlich das Dickdarmkrebsrisiko herabgesetzt, da bestimmte Darmbakterien Gallensäuren zu sogenannten sekundären Gallensäuren abbauen, die wahrscheinlich eine kanzerogene (krebsauslösende) Wirkung besitzen.

Eine cholesterinsenkende Wirkung isolierter Saponine konnte bei Nagetieren nachgewiesen werden. Nicht völlig geklärt ist die Wirkung auf den Menschen, da in bisherigen Untersuchungen nur Lebensmittel eingesetzt wurden, die weitere cholesterinsenkende Substanzen enthielten. Dennoch sind saponinhaltige Lebensmittel (Bohnen, Luzernensamen) für die Behandlung eines überhöhten Cholesterinspiegels zu empfehlen, da Überdosierungen durch die Aufnahme dieser Lebensmittel nicht zu erwarten sind.

Phytosterine

Phytosterine sind cholesterinähnliche Substanzen, die hauptsächlich in Pflanzenölen enthalten sind. Die drei Hauptvertreter sind beta-Sitosterin, Campesterin und Stigmasterin.

Der cholesterinsenkende Effekt der Phytosterine gilt als gesichert, das Wirkungsprinzip ist noch weitestgehend unklar. Es gibt bislang zwei Hypothesen:

  • Hemmung der Cholesterinabsorption durch Auskristallisation im Darm
  • Hemmung der Cholesterinabsorption durch Verdrängung des Cholesterins aus den Mizellen

Diese beiden Theorien setzen voraus, dass Phytosterine zusammen mit Cholesterin verzehrt werden, was bei der üblichen Mischkost der Fall ist.

Phytosterine sind zur Behandlung erhöhter Cholesterinwerte zu empfehlen. Sie werden bereits zur Therapie der Hypercholesterinämie eingesetzt. Als "Functional Food" werden sie z.T. der Margarine zugesetzt.

Tocotrienole

Tocotrienole sind Verwandte des Vitamin E (alpha-Tocopherol). Einen besonders hohen Gehalt weisen die Samen (v.a. die Randschichten) und das Öl der Gerste, des Hafers und des Roggens auf.

Im Gegensatz zu den Saponinen und Phytosterinen hemmen sie die körpereigene Cholesterinbildung in der Leber. Dies ist auf die Hemmung eines Enzyms (HMG-CoA-Reduktase) zurückzuführen, das maßgeblich an der Cholesterinsynthese beteiligt ist.

Die Wirksamkeit der Tocotrienole im Hinblick auf die Senkung des Cholesterinspiegels wurde in mehreren Studien nachgewiesen.

Sulfide

Sulfide sind Schwefelverbindungen, die hauptsächlich in Zwiebelgewächsen und Knoblauch enthalten sind. Das Alliin, der Hauptwirkstoff des Knoblauchs, hemmt ebenfalls die Cholesterinsynthese der Leber.

Die cholesterinsenkende Wirkung gilt bei frischem Knoblauch als gesichert, bei Knoblauchpräparaten liegen keine eindeutigen Ergebnisse vor.

Fazit

Eine gesunde Mischkost, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln wie Vollkorngetreideprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse ist, stellt die Grundlage für eine Reduktion des Cholesterinwertes dar und kann dazu beitragen, den Medikamenteneinsatz zu minimieren!

Quelle: "Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln", B. Watzl, C. Leitzmann

Ballaststoffe

Allgemein

Als Ballaststoffe werden unverdauliche Nahrungsbestandteile bezeichnet. Sie sind fast ausschließlich pflanzlichen Ursprungs und weisen die unterschiedlichsten chemischen Strukturen auf. Besonders reich an Ballaststoffen sind Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte.

Ballaststoffgehalt einiger Lebensmittel

Lebensmittel Gesamt-Ballaststoff-
gehalt in g
Anteil an wasser-
löslichen B. in %
Anteil an wasser-
unlöslichen B. in %
Vollkornreis 4,0 27,5 72,5
Reis, parboiled 0,6 33,3 66,6
Hafer 9,3 52,7 47,3
Weizen 9,6 77,1 22,9
Roggen 13,4 76,1 23,9
Vollkornnudeln (gekocht) 4,4 15,9 84,1
Nudeln (gekocht) 1,5 26,7 73,3
Rosenkohl 4,4 75 25
Weißkohl 3,0 73,3 26,7
Möhren 2,9 51,7 48,3
Blumenkohl 2,9 82,8 17,2
Linsen 2,8 64,3 35,7
Grüne Erbsen 5,0 80 20
Weiße Bohnen 7,5 45,3 54,7
Äpfel 2,3 47,8 52,2
Birnen 2,8 78,6 21,4
Johannisbeeren 3,5 88,6 11,4
Pflaumen, getrocknet 9,0 45,6 54,4

Mit der Nahrung sollten täglich mindestens 30g Ballaststoffe zugeführt werden. In den Industrieländern beträgt die tatsächlich zugeführte Menge nur etwa die Hälfte. Diese Tatsache wird als eine der Ursachen für die Entstehung von Zivilisationskrankheiten angesehen.

Cholesterinsenkende Wirkung

In verschiedenen Studien wurde die Wirksamkeit der Ballaststoffe in Bezug auf den Cholesterinspiegel belegt. Dies gilt jedoch nur für Versuchsdiäten mit Haferkleie, Bohnen, Pektin und Guarkernmehl.

Es hat sich gezeigt, dass wasserlösliche Ballaststoffe einen günstigeren Einfluss besitzen als wasserunlösliche. Die cholesterinsenkende Wirkung lässt sich durch drei unterschiedliche Mechanismen erklären:

1. Verminderung der Rückresorption von Gallensäuren

Cholesterin ist Bestandteil der primären Gallensäuren, die zur Unterstützung der Fettverdauung in den oberen Dünndarm abgegeben werden. In unteren Darmabschnitten werden diese jedoch rückresorbiert und stehen somit dem Körper erneut zur Verfügung ("enterohepatischer Kreislauf").

Ballaststoffe binden diese primären Gallensäuren, so dass sie vermehrt mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Für die Neubildung von Gallensäure wird körpereigenes Cholesterin verwendet, was dazu führt, dass der Cholesterinspiegel im Blut sinkt.

Durch die Bindung der Gallensäuren wird zusätzlich das Dickdarmkrebsrisiko herabgesetzt, da bestimmte Darmbakterien Gallensäuren zu sogenannten sekundären Gallensäuren abbauen, die möglicherweise eine kanzerogene (krebsauslösende) Wirkung besitzen.

2. Verkürzung der Transitzeit

Vor allem die wasserunlöslichen Ballaststoffe erhöhen durch ihre hohe Quellfähigkeit das Stuhlvolumen und verkürzen dadurch die Verweildauer des Speisebreis im Darm. Dies führt zu einer verminderten Aufnahme von Cholesterin durch die Darmwand.

3. Hemmung der Cholesterinsynthese

Im Dickdarm werden durch den teilweisen bakteriellen Abbau von Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren gebildet, die u.a. zu Propionat umgewandelt werden. Dieses kann die Dickdarmwand passieren, gelangt zur Leber und hemmt dort das für die Cholesterinsynthese erforderliche Enzym HMG-CoA-Reduktase. Die verminderte Cholesterinneubildung führt zu einer Senkung des Cholesterinspiegels.

Quelle: "Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln", B. Watzl, C. Leitzmann

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